![]() Im November 1940 verwandelte ein zwölfstündiger Bombenhagel auf Coventry die Liegenschaften der Alvis Limited in der Holyhead Road in eine Trümmerwüste. Da man mit dem Wiederaufbau alle Hände voll zu tun hatte, knüpfte man 1946 wieder da an, wo die Produktion vor den Kampfhandlungen eingestellt worden war, in Gestalt des Alvis Fourteen. Der Hubraum von dessen Vorkriegs-Vorgänger 12/70 war um 50 auf 1892 cm³ vergrößert worden, und 65 PS bei 4400/min ermöglichten gemächliche Fortbewegung.
Auf der Motor Show in Earls Court 1948 gesellte sich den gestanden-ehrwürdigen Limousinen und Drophead Coupés namens TA14 der offene Zweisitzer Alvis TB14 hinzu, ein knallig-karmesinroter Paradiesvogel mit tief eingekehlten Türen, unter denen sich die vorderen Kotflügel bis fast auf die Höhe der Radnaben absenkten, und auch sonst von sanfter Verschrobenheit. Eine Broschüre spielte die Eigenart dieses Sonderlings gleichwohl herunter: Es handele sich um "ein Vollblut in echter Alvis-Tradition, das eine anmutige Form mit gelassener sportlicher Leistung verquicke".
Sein Frontgrill, hinter dessen Gitterstäben seine Scheinwerfer nach dem Vorbild des Peugeot 202 jener Jahre eingekerkert waren, schien inspiriert von zeitgenössischen Grand-Prix-Wagen wie dem Alfetta 158. Am meisten Aufsehen erregten indessen ein kleines Schönheitskabinett für die Dame an der Stelle des üblichen Handschuhfachs sowie eine Minibar in einer der Türen. Autos und Cocktails, barmte der angesehene Daily Mirror säuerlich, seien Dinge, die einfach nicht zueinander gehörten.
Übrigens handelte es sich bei dem TB14 um ein Findel- und Adoptivkind. Der belgische Industrielle und Rennfahrer Pierre Goldschmid hatte ihn um Alvis-Komponenten herum entwickelt, F.J. Bidee mit einem leichten Aufbau versehen. In seiner endgültigen und erneut stilistisch bereinigten Form erschien der biedere Exot ein Jahr später erneut in Earls Court. Die Annehmlichkeiten für den anonymen Alkoholiker am großen weißen Lenkrad und seine eitle Begleiterin waren verschwunden, die Scheinwerfer in die Spitzen der Kotflügel umgesiedelt worden. Mit der Fertigung der Karosserie in einer Auflage von 100 Exemplaren hatte man den ortsansässigen Spezialisten AP Metalcraft betraut. Von ein paar potenzfördernden Maßnahmen beflügelt, leistete der Vierzylinder drei PS mehr als in den bürgerlichen Alvis-Modellen. Bis Tempo 100 erreicht waren, musste sich der Pilot dennoch 21,5 Sekunden gedulden.
Nur unwesentlich flotter war man mit dem Nachfolger TB21 unterwegs, obwohl Alvis-Personal auf dem Stand des Unternehmens 1950 in Earls Court fröhlich kolportierte, er sei 100 Meilen schnell. Seine Ähnlichkeit mit dem TB14 mochte er gar nicht verleugnen. Vorn erhob sich nun allerdings aufrecht der markentypische Alvis-Grill, der sich dennoch gut mit den üppig fließenden Linien des TB21 vertrug. Dahinter werkte ein kurzhubiger Sechszylinder mit drei Litern und 95 PS, von trotziger Robustheit wie auch der Rahmen aus U-Profilträgern mit Traversen. Die Aufhängung vorn war unabhängig an doppelten Querlenkern und Schraubenfedern. Die hintere wies mit einer Starrachse und halbelliptischen Federn mehr in die Vergangenheit – wie eigentlich das ganze Fahrzeug. 1953 versiegte die Fertigung nach nur 31 Einheiten. Da hatten Konkurrenten wie der Jaguar XK 120 längst ihren Siegeszug angetreten...
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