Abkürzungen beginnen irgendwann für sich zu stehen, ein Eigenleben zu
führen. MG stand früher einmal für die Morris Garages in der Alfred Lane
zu Oxfor Abkürzungen beginnen irgendwann für sich zu stehen, ein Eigenleben zu führen. MG stand früher einmal für die Morris Garages in der Alfred Lane zu Oxford, deren Manager Cecil Kimber Morris-Wagen 1923 mit eigenen Zutaten und kurzerhand auch mit einem eigenen Emblem versah.
Im September 1929 bezog der sanft florierende Kleinbetrieb eine neue Garnison in Abingdon, zehn Kilometer von der Universitätsstadt entfernt. Anfang August 1932 stellte Kimber dort den J2 vor, einen Sportzweisitzer mit jäh kupiertem Heck, prononcierten Kerben in den Türen und einem Doppelhöcker auf der Stirnwand vor Fahrer und Beifahrer, stilistischen Konstanten, die den Zweiten Weltkrieg überdauerten und bis in die fünfziger Jahre ragen sollten.
Im Juli 1935 stieß Lord Nuffield, bürgerlich William Morris, MG an das unter seinem Namen firmierende Nuffield-Kombinat ab. Man bereitete den ausschweifenden motorsportlichen Aktivitäten der Neuerwerbung umgehend ein Ende und begann auch sonst den Rotstift anzusetzen, indem etwa aufwendige Triebwerke mit obenliegenden Nockenwellen durch biedere Stoßstangenmaschinen von Morris und Wolseley ersetzt wurden. 1936 entstand der MG TA, 1939 der TB, dem indessen nur ein kurzes Dasein bis zum Ausbruch der Feindseligkeiten vergönnt war. 1945, während andere noch über Ruinen Trübsal bliesen oder Blütenträume Zeit zum Reifen benötigten, retuschierte man in Abingdon den TB ein bisschen und ließ ihn, ohne zu zaudern, als TC wiederauferstehen. Ein geeigneteres Prophylaktikum gegen Nachkriegs-Tristesse gab es nicht.
Gewiss kam der TC kantig wie ein Schuhkarton daher, auf spinnrigen Speichenrädern, einem antiken Underslung-Kastenrahmen, Starrachsen und Halbelliptikfedern ein Affront gegen alle, die sich von ihrem Automobil schonende Behandlung erhofften. Fast schutzlos war man der Willkür der Witterung ausgesetzt. Eine Heizung war nicht vorgesehen, akustisch stets präsent der hochdrehende kleine Motor, und da man Unfälle am besten gänzlich vermeidet, gab es auch keine Stoßfänger.
Mit 125 km/h war der MG TC nicht einmal besonders schnell. Aber spätestens, nachdem man die Windschutzscheibe umgelegt hatte, konnte man sich buchstäblich den Wind um die Nase wehen lassen, wurde den Insassen das ganze elementare Erlebnis der Bewegung zuteil, höchstens getrübt durch die miserable Qualität des britischen Pool-Benzins, einem dubiosen Cocktail von niederer Oktanzahl, und durch den Umstand, dass dieses auch noch bis zum Juni 1950 rationiert war.
Bereits Ende 1949 waren genau 10000 der holzharten Midgets verkauft, 3408 in Großbritannien, 6592 in Übersee, 2001 allein in den USA, wo Zelebritäten wie der Schauspieler Clark Gable oder die Rennfahrer Briggs Cunningham und Phil Hill den altväterlichen Charme des Exportartikels zu würdigen wussten. Daheim aber, in dem Lande, aus dem er kam und in das er passte wie kein Zweiter, holte ein junger Seeoffizier in einem MG TC hin und wieder seine Freundin zu einem Ausflug ins Grüne ab. Der betroffenen Familie behagte dies aus verschiedenen Gründen nicht sonderlich, denn schließlich sollte Elizabeth Windsor einmal Königin von England werden…