1898 hatten sich die Holländer Jakobus und Hendrik-Jan Spijker mit einer güldenen Staatskarosse in die Annalen des Automobilbaus eingetragen. Dieses für die Krönung von Wilhelmina in Auftrag gegebene Prachtgefährt steht noch heute in Diensten des Hauses Oranien und wird gelegentlich auch `mal bewegt. Bereits 1903 bauten die technisch ungemein versierten Brüder Fahrzeuge mit Allradantrieb, beteiligten sich erfolgreich bei Langstrecken-Prüfungen und stellten im Winter 1920/21 bei einem Dauertest mit dem Maybach W2-Motor einen neuen Rekord auf: 30.000 Kilometer nonstop in 36 Tagen. Der Spyker C4, wie sie ihr letztes Luxusautomobil hieß, sollte mit Rolls Royce konkurrieren. Ein hochtrabendes Unterfangen in wirtschaftlich schlechten Zeiten: Es endete 1925 mit der Pleite.
75 Jahre später die Renaissance von Spyker bei der Motorshow in Birmingham: Der Geschäftsmann Victor R. Muller präsentierte einen Roadster unter dem Traditionsnamen Spyker mit der Typenbezeichnung C8. Der Propeller, das alte Firmensymbol ( man baute im ersten Weltkrieg immerhin 100 Jagdflugzeuge ), dreht sich wieder, denn der C8 ging in Kleinserie mit einer Jahres-Produktion ( 2005 ) von 48 Fahrzeugen, davon 18 bei Karmann in Osnabrück gebaut. Durch die 17-prozentige Beteiligung von Mubadala, einer staatlichen Investment-Firma von Abu Dhabi – der Deal wurde vom holländische Premier-Minister Dr. Jan Peter Balkenende höchstpersönlich abgesegnet – kann Spyker ab 2006 zum Höhenflug ansetzen. Muller: “Ende Dezember 2005 lagen uns 191 Bestellungen vor, wir werden unsere Produktionskapazität auf 100 Einheiten pro Jahr ausweiten.“
Bereits beim Concours d´Elegance 2005 in Pebble Beach/Kalifornien feierte Spyker eine Premiere: mit dem C8 Spyder T, der von 400 auf 525 PS aufgerüsteten Turbo-Version. Kein Maybach-Triebwerk, sondern der 4,2-Liter-V8 von Audi dient als Basis-Kraftquelle von Spyker. Nach Chassis-verlängerung lässt sich auch der 6-Liter-W12 eingebauen. Je nach Kundenwunsch wird eine von fünf Leistungsstufen aktiviert, dabei reicht die Bandbreite von der Normalausführung mit 400 PS des V8 bis zur brachialen Gewalt von 620 PS im C8 Double 12S. Mit derartiger „Power im Hintern“ kratzt Spykers Spyder an Paganis Image, das schnellste Cabrio der Welt zu bieten, denn theoretisch sind - wie beim Zonda F Roadster - 345 Stundenkilometer erreichbar.
Kiemen vor, hinter und auf den Radhäusern, Belüftungsschlitze und -kanäle auf den Hauben und je zwei große Lufteinlässe an den hinteren Flanken durchziehen den Sportwagen aus Zeewolde wie Grachten. Der Aerodynamik dieses „fliegenden Holländers“ tun sie offenbar keinen Abbruch, denn der Spyder T beschleunigt in vier Sekunden bis zur 100-km/h-Marke und erreicht zügig 320 km/h. Dank Aluminium-Spaceframe-Konstruktion des Chassis, passend zum Aluminium-Motor, hat der Spyker mit 1295 Kilo keine Gewichtsprobleme. Das Fahrwerk, fürs Touren oder sportliche Zwecke einstellbar, entspricht in jeder Hinsicht den Ansprüchen an diesen Super-Sportwagen mit den unverwechselbaren Speichenrädern – im Propeller-Design.