Geballte Kraft, formvollendete Schönheit und Ästhetik, moderne Technik und ein Hauch Nostalgie: Der Ferrari F430 Spider offenbart sich als ein weiteres automobiles Kunstwerk aus Italien, das nur auf den ersten Blick Ähnlichkeiten mit dem Vorgängermodell aufweist. Die ovalen Nüstern erinnern an den F156-Monoposto, das Weltmeister-Auto von 1961. Wie beim Enzo liegen die traditionell runden Heckleuchten nach oben frei, und wie beim Modena Spider kann durch ein Vitrinenfenster mit seitlichen Kühlgittern ein Blick in den Motorraum mit dem neuen 4,3-Liter-Aggregat ( deshalb F430 ) geworfen werden. Sofort ins Auge fallen die voluminösen roten Luftsammler. Fast schüchtern wölbt sich als Heckabrisskante ein kleiner Bürzel in die Höhe, während sich die eigentliche aerodynamische Feinarbeit auf dem Unterboden, der in einem gewaltigen Diffusor endet, dokumentiert.
Einem Schauspiel – zwar nur 25 Sekunden dauernd, aber umso eindrucksvoller im Ablauf – gleicht das vollautomatische Versenken des Stoffverdecks. Von acht Hydraulik-Motörchen wird es flugs dreilagig zusammengefaltet und bündig in einem Dach-Abteil hinter den Überrollbügeln mit einem kaum hörbaren Klicken verstaut. Dieses „Ordnungs-Prinzip“ mit der ausgeklügelten Falttechnik wird in Deutschland für Ferrari unter Dach und Fach gebracht. In geöffnetem Zustand entfaltet der F430 Spider seine besonderen Reize und lädt zu einem Fahrerlebnis ein, das man am besten mit Beifahrerin genießt. Das im Vergleich zur Berlinetta nur 50 Kilo schwerere Cabrio wartet mit erstklassigen Fahrleistungen auf, die sich besonders in kurvenreiche Passagen bemerkbar machen. Das von der Motorsport-Abteilung des Hauses entwickelte Sperrdifferential reagiert blitzschnell auf Lastwechsel und Querbeschleunigungen und sorgt stets für optimale Traktion. Hier wird das ESP fast in eine Statistenrolle gedrängt..
Mit dem „manettino“, einem roten Hebelchen gegenüber dem gleichfarbigen Starterknopf am Lenkrad positioniert, kann das Fahrverhalten in fünf Abstufungen „vorprogrammiert“ werden. Zur Auswahl stehen zunächst die Positionen „Eis“ und „Nässe“, Wetterkonditionen, die einem Spider-Freak verhasst sein dürften. Mit „Sport“ kann er eher etwas anfangen. Doch richtig zur Sache darf selbst ein verhinderter Rennfahrer mit Option „numero quattro“ gehen, denn diese lautet verführerisch „race“. Nur nicht ins Schleudern geraten, dazu mahnt die letzte Einstellung mit dem ernüchternden Kürzel „CST“ .Wer Gaspedal und Bremse gleichermaßen strapaziert, dem sei die Keramik-Bremsanlage empfohlen, Mehrpreis: 13.340 Euro. Mit F1-Wippenschaltung, Navigationsanlage und kleinen Bequemlichkeiten wie einer elektrischen Sitzverstellung driftet der Spider ( Basispreis 168.000 Euro ) schnell in die Region von 200.000 Euro.
Fürs gute Geld wird Fahrgenuss pur geboten, und der fängt schon bei der Beschleunigung aus dem Stand auf hundert Stundenkilometer in 4,1 Sekunden an. In weniger als 14 Sekunden überschreitet man bereits 200 km/h und beginnt im Geschwindigkeitsrausch zu schwelgen. Spitze Entzückens-schreie der Mitfahrerin sind opportun, wenn Tempo 250 die Fahrt im F430 Spider zum Open-Air-Konzert anschwellen lässt, denn in die Windgeräusche mischt sich ein freudiges Kreischen aus vollen Rohren. Wozu eigentlich noch die Investition in eine CD-Anlage mit zugegebenermaßen äußerst klangintensiven Lautsprechern für „schlaffe“ 2600 Euro?
Bei 310 km/h – wohlgemerkt im geschlossenen Zustand – ist der Zenit erreicht. Die Achslastverteilung, im Stand noch mit 42 zu 58 Prozent noch unausgewogen, liegt jetzt fast neutral bei 48 zu 52. F430-Spider-Fazit: Je schneller desto besser – zum Erfolg verdammt!