Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, wann das Toyota-Luxus-Label Lexus sich mit einem sportiven Fahrzeug zu Wort melden würde, schon um auf dem so wichtigen nordamerikanischen Markt mit solch illustren Rivalen wie Cadillac, Jaguar, Mercedes oder Porsche um die Gunst der Kunden wettzustreiten.
Zwischen den Polen Luxus und Sportlichkeit war denn auch die Zwienatur des Lexus SC 430 angelegt, im Herbst 1999 in Tokio als Prototyp gezeigt, im März 2001 offiziell in ein Umfeld entlassen, in dem er laut Werbung "ein Kielwasser von Verlangen und Neid" hinter sich herziehen sollte. Merkwürdigerweise begann sie mit seiner Form, entworfen vom Toyota-Studio Nizza. Eine Fülle von teilweise höchst attraktiven Details zog den Blick auf sich und den Drang zu berühren, floss aber nicht unbedingt zu einem Ganzen aus einem Guss zusammen. Inmitten fraulicher Rundungen störte die keck aufgeworfene Spoilerlippe auf dem riesigen Kofferraumdeckel. Die Räder saßen zu tief in den Radhäusern. Gut zu Gesicht stand ihm dafür sein blechernes Faltdach, das sich für die Verwandlung von null auf 100 Prozent Offenheit 25 Sekunden genehmigte und anschließend in dem ohnehin spärlichen Gepäckabteil über Gebühr breitmachte.
Auch sonst war Platz trotz ausladender Dimensionen knapp, wenn man nicht gerade in den üppigen Fauteuils der ersten Reihe lagerte, die hohe Gürtellinie des SC 430 beruhigend bis auf Halshöhe neben sich. Die Bezeichnung 2 2 und der mit ihr verbundene Anspruch waren schlicht eine charmante Übertreibung, die hinteren Sitzmulden nicht viel mehr als ein wenig zusätzlicher Stauraum. Überhaupt stellte sich die Frage, ob sich die Idee hinter dem Lexus in seiner schweren Solidität grundsätzlich mit der Idee des Sportwagens vertrug und ihm nicht just seine Tugenden im Wege standen. In seiner üppig eingerichteten Kommandozentrale, einem "fahrenden Chambre Séparée", klagte etwa Eckhard Eybl in Heft 24, Jahrgang 2001 des Fachblatts auto motor und sport, komme man sich eher wie ein Kapitän als ein Pilot vor.
Dazu trugen vor allem die bestechenden Manieren seines samtig und seidig summenden Leichtmetall-V8 bei, mit 4293 cm³ Hubraum, 32 variabel gesteuerten Ventilen und je zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank. Mit einem metallischen Wummern als äußerstem Zeichen seiner Ungehaltenheit war er gleichwohl als Gentleman ins Landsknechts-Biwak der Sportwagenmotoren geraten. Man hatte ihn ausschließlich und in perfekter Symbiose mit einem Fünfstufenautomaten zusammengespannt, dessen Wählhebel ebenso knackig einrastete wie zahlreiche andere Bedienelemente.
Seine 286 PS schüttelte er lässig aus dem Ärmel bis hin zur Überraschung seiner Insassen. Bei Tempo 250 gebot ein Begrenzer ihrem Treiben Einhalt, und auch 7,1 Sekunden auf Tempo 100 sowie 16,2 Sekunden bis zu 160 km/h konnten sich sehen lassen in der rauen Leistungsgesellschaft der Sportwagen. Frohen Herzens genießen konnte man dies indessen nicht. Zwar schien der Lexus SC 430 mit Doppelquerlenkern und Federbeinen ringsum bestens gerüstet für alle Eventualitäten und erwies sich auch als gutartiger Partner. Trieb es aber sein Lenker nach seinem Dafürhalten in den Kurven zu bunt, kündeten sehr rasch aufwimmernde Reifen davon, der schöne Japaner bevorzuge den Komfort kalifornischer Highways und das Cruisen zu den Klängen seiner aufwendigen Stereoanlage des amerikanischen Spezialisten Mark Levinson. Und auf schlechten Wegstrecken schüttelte sich sein Vorderwagen wie ein nasser Hund, sein Aufbau erbebte in Protest und ächzte in demonstrativer Empörung, vor allem bei geöffnetem Verdeck.
Aber die mochte man ihm sowieso nicht zumuten.