Auf eine Drehung des Zündschlüssels hin meldeten sich 330 PS beziehungsweise 335 PS (im SS) zu Wort. Reinhard Seiffert attestierte der kleineren Maschine 1969 in auto motor und sport "310 echte DIN-PS" und schilderte deren Stimmgewalt schon bei niedrigen Drehzahlen: Schlafende Hunde spitzten die Ohren, ernste Männer erhöben sich vom Schreibtisch, und brave Hausfrauen legten Rouge auf und rückten den Knoten zurecht.
Die Betriebsanleitung versicherte dem Eigner des Ghibli, dessen Auspuffanlage sei zwar vom Ispettorato Generale della Motorizzazione zugelassen, was aber keineswegs besage, dass die zulässige Geräuschgrenze nicht bei bestimmten Bedingungen überschritten werde. Diese Bedingungen eintreten zu lassen gehörte zu den ständigen Versuchungen für den Lenker des schnellen Italieners, wobei sich der Leih-Wagen des Stuttgarter Magazins mit 274,8 km/h als ganz ungewöhnlich hurtig erwies.
Vielleicht hatte man ihm eine kleine Extra-Frisur angedeihen lassen, vielleicht lag es daran, dass bei den Messungen Maserati-Cheftester Guerrino Bertocchi nicht anwesend war, der stets auf Schonung seiner Schützlinge drängte, obwohl in seinen besten Zeiten nur Juan Manuel Fangio das Autodromo di Modena schneller umrundete als der Veteran aus den Gründerjahren der Firma mit dem Trident im Schilde.
Neben Mannesmut erforderte der Umgang mit dem Ghibli auch Muskelkraft, schon um den hinhaltenden Widerstand des Fünfganggetriebes von ZF zu überwinden, vor allem aber beim Parken und dies, obwohl die Lenkung mit vier Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag sehr indirekt übersetzt war. Auf Wunsch gab es ihn mit Servohilfe und einer Borg-Warner-Automatik, was in dieser Konstellation allerdings das Stirnrunzeln und Naserümpfen des Puristen hervorrief.
Die Unterseite des Anderthalbtonners zeugte von einer Denkungsart, die zäh bewahrte, was einst die Väter als richtig erkannt hatten, abgesehen von den fetten Campagnolo-Rädern. Der Aufbau war selbsttragend mit einem vorderen Hilfsrahmen, der Radstand mit 2550 mm kürzer als beim Mexico (2640 mm). Einzelradaufhängung an Trapez-Dreieckquerlenkern vorn stand eine hintere Starrachse mit Längslenkern und Halbelliptikfedern gegenüber. In schnell gefahrenen Kurven schob der Ghibli normalerweise leicht geradeaus. Aber man verfügte über genug Leistung, wollte man ihn zum Übersteuern zwingen – weitere Direktiven mußten ihm dann mit dem Gaspedal erteilt werden. Die Girling-Scheibenbremsen (vorn mit zwei Zangen) bekamen das Schwergewicht unter allen Umständen gut in den Griff, obwohl sich das Pedal merkwürdig weich und elastisch anfühlte.
Gegenüber 1149 Coupés blieben die Spider mit 125 Exemplaren entschieden in der Minorität. Gleichwohl standen sie jenen an Attraktivität nicht nach, nicht einmal wenn das Zeltverdeck errichtet war, das man bei schönem Wetter unter einem Blech verschwinden lassen konnte. Dies zu tun sei indessen scheueren Naturen, die lieber in der Anonymität des Verborgenen wirken, nicht angeraten. Ein offener Ghibli erregt nämlich auch heute noch soviel Aufmerksamkeit wie jemand, der aus karitativen Gründen Tausendmarkscheine verteilt.